Einiges zur Geschichte des Typografischen Maßsystems:
Die Buchdrucker, (früher) die Schriftsetzer und (heute) die Mediengestalter rechnen nicht nach dem Meter System, sondern Sie haben ein eigenes System: den typografischen Punkt. Dieses System geht zurück auf den französischen Schriftgießer Fournier le jeune, der es 1764 veröffentlichte. Es wurde dann durch Firmin Didot am Anfang des vorigen Jarhunderts verbessert, und unter dem Namen "französisches System" oder "Didot System" bekannt und galt lange Zeit als vorbildlich. In Deutschland herrschte bis zur Mitte des vorigen Jarhunderts Systemlosigkeit, was zu wirren Zuständen führte, da nicht nur die Schriftgießereien, sondern auch viele Druckereien eigene Maßsysteme hatten. Um nun eine sichere und einheitliche Grundlage zu schaffen, vereinbarten die Schriftgießereien 1878 das nicht ganz einwandfreie Didot-System auf das Meter festzulegen. Dieser Aufgabe widmete sich Hermann Berthold zusammen mit der Staatlichen Eichungskommission in Berlin. Danach hatte 1 Meter 2660 typografische Punkte. 1 Punkt entsprach dementsprechend 0,376 mm (abgerundet). In den deutschen Schriftgießereien wurde seit dem als Grundmaß ein Teilstück von 20 Cicero = 240 typografische Punkte verwendet. Diese Einigung auf ein einheitliches System war von größter Wirtschaftlicher Bedeutung für alle mit dem Druck zusammenhängenden Gewerbe. Jetzt erst wurde es möglich Schriften, Linien, Einfassungen, Blindmaterial usw. alle Schriftgießereien zu mischen und zu verwenden. Die Schriftgießereien brauchten seither auch keine besondere Zurichtung für jeden Auftrag mehr. Da sie für alle Schriften die gleiche Maßzurichtung in Höhe, Linie usw. verwendeten.
Oberlänge : Unterlänge = 72 : 28
9/12p bedeutet 9p Schriftgröße, 12p Zeilenabstand angefangene Zeilen werden immer aufgerundet (Seitenhöhe + Durchschuss) : Zeilenabstand = Anzahl der Zeilen/Seite
Maßeinheiten

Das Typomaß zeigt oben die metrische Scala und unten die typografischen Maßeinheiten in Inch. Im oberen linken Drittel des Meßblattes sind jeweils 6, 7, 8, 9 usw. Punkte zu Einheiten zusammengefaßt. Rechts ist die Schriftgröße in Punkt abzulesen.
Schrifthöhe
Die Höhe einer Letter vom Schriftbild bis zum Fuß unterlag bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts keiner Regelung. Wohl gab es einige Normalhöhen, die als Leipziger Höhe (66 typografische Punkte), Frankfurter Höhe (68 Punkte) oder Pariser Höhe (63 Punkte) bezeichnet wurden, die Mehrzahl der Druckereien hatte aber eigene Höhen. Als Grund wurde schon in einer Schrift des 18. Jarhunderts angeführt, daß die Drucker sich dadurch vor Diebstahl schützen wollten, weil ihre Schriften nicht ohne weiteres in anderen Werkstätten verwendet werden konnten. Für die Schriftgießereien war dieser Zustand wenig angenehm, da es nicht möglich war, von gängigen Schriften Lagervorräte in einer bestimmten Höhe anzulegen. So kam es 1898 zwischen den Schriftgießereien zur Einigung über eine verbindliche Normalhöhe, die nach dem verbesserten Didotsystem auf 62 ²/³ Punkte festgesetzt wurde.
